eBook Reader neben Büchern

Buch vs. eBook [Anja]

Nachdem Töchterchen das kürzlich hier thematisierte, haben wir uns überlegt, aus der Sache ein 3er-Thema zu machen. Wie stehen wir in der Familie zu eBooks? Sind unsere Ansichten da weit auseinander? Ich glaube nicht, auch wenn Töchterchen das anders vermutet. Ja, ihr Bücherregal quillt über, der Platz in der Wohnung ist begrenzt, für die erträumte Bibliothek reicht er nicht. In Sachen Platz-sparen sind eBooks einfach sehr hilfreich. Auch, was das Gewicht betrifft, sind sie eindeutig im Vorteil. Beides wird vor allem unterwegs ein echtes Argument. Wir haben hier einen klassischen Kindle, den, der noch Buchseiten imitiert, ohne Hintergrundbeleuchtung und mit wenig Akkuverbrauch.

Er ist leicht, bequem in einer Hand zu halten. Eigentlich gleich zwei Vorteile gegenüber dem klassischen Totholz-Buch. Nein. Drei. Wenn ich an den Flug neulich denke. Ich hatte diverse Bücher auf dem Kindle „mitgenommen“. Töchterchen hatte immerhin Taschenbücher statt Hardcover gewählt. Schon im Handgepäck war das ein Unterschied. Der kleine, schmale, leichte Kindle ließ sich deutlich besser verstauen, als die Taschenbücher. Wirklich entscheidend wurde dieses Argument allerdings, als wir in einem Flugzeug saßen, welches keine Netze zur Aufbewahrung mehr hatte, sondern feste Plastikaussparungen, in die kaum mehr als die übliche Flugzeuglektüre der Fluggesellschaft paßte. Den Kindle konnte ich da noch zwischenstecken, die Bücher gingen nicht ansatzweise. Gut, eine nicht alltägliche Situation. Die Enge im Flugzeug… Meine Sitznachbarin hatte auch einen eBookReader. Praktisch, denn der läßt sich in einer Hand halten, was doch bequemer ist, wenn man so dicht beeinander sitzt. Ein Arm für die Tochter ist dann auch immer frei 😉

Was ich an eBooks auch sehr mag, ist die Tatsache, dass ich sie eigentlich immer dabei habe. Mit der entsprechenden Lese-App kann ich jederzeit mein Smartphone aus der Tasche holen und lesen. Egal, wo ich bin. Die Synchronisation zwischen den Geräten funktioniert reibungslos, so dass ich flexibel wechseln kann, so toll ist das Lesen auf dem kleinen Bildschirm ja nun auch nicht. Aber dennoch – auch ich habe lieber ein „richtiges“, klassisches Buch in der Hand. Die Haptik. Der Geruch. Die Handhabung. Ich finde, ein Papierbuch nimmt mich mehr mit. Zwei Seiten zwischen zwei Buchdeckeln, sie bilden einen Rahmen, sie ziehen einen in das Buch. Ein einzelner Bildschirm kann das nicht bieten. Der ist platt. Ohne eigenes Leben. Ich mag es auch zu sehen, wie weit ich bin, anhand einer festen Größe. Wie viel Dicke ist noch nach? Nicht mit Prozentzahlen. Feste Seitenzahlen, die sich nicht nach gewählter Schriftgröße ändern. Ah. Ein eBook Vorteil. Bei gedruckten Büchern muss ich mit der Schriftgröße klarkommen, manchmal wird das besonders im Dämmerlicht schwierig. Beim eBook kann ich mir das je nach Augenzustand anpassen, sicherlich ein Vorteil für Menschen mit Sehschwächen.

Vorblättern, auch so ein Thema. Ja klar, ich kann auch im eBook vorblättern und einfach zurückkehren. Aber, das ist kein „blättern“. Einfach mal die Seiten durch die Finger fliegen zu lassen, das geht beim eBook nicht. Das Rascheln dabei, es fehlt beim tippen. Ich neige nicht dazu, mir Stellen in einem Buch zu markieren, ich mag es nicht verschandeln. Eher schreibe ich es raus. Eselsohren sind für mich Folter des Buches. In einem eBook kann ich markieren, und noch vieles mehr, es gibt einige Zusatzfeature, wie ein Link zum Duden o.ä. Das kann ein Papierbuch nicht bieten. Aber brauche ich das? Ich nicht. Gut, wenn es um ein Sachbuch geht, vielleicht. Ich kann mir auch vorstellen, dass manche Funktionen für Schule und Studium hilfreich sind. Im Alltag? Nein.
Ein eBook kann ich mit dem entsprechenden Reader auch im Dunkeln lesen, ohne Licht anmachen zu müssen. Dennoch fühle ich mich wohler, wenn nicht der Bildschirm, sondern die Umgebung beleuchtet ist, das ist viel gemütlicher. Vielleicht sehen spätere Generationen, die es gewohnt sind anders, Töchterchen gehört allerdings eindeutig noch nicht dazu 😉 Bücher kann ich problemlos verleihen, ich kann sie in öffentliche Bücherregale stellen, wenn ich mich von ihnen trennen kann und möchte, sie können bei jemandem anders weiter leben. Das bleibt einem eBook verwehrt.

Für mich wäre das Ideal ein Bundle aus klassischem Buch und eBook. Dann kann ich zu Hause das normale Buch nutzen und wenn mir spontan langweilig ist, bei Wartezeiten zum Beispiel, auf das eBook zurückgreifen. Nur die Synchronisation zwischen on- und offline ist dann ein wenig schwierig… Habe ich die Wahl: Ich nehme das Buch aus Papier. Ganz wie Töchterchen. Es gibt nur wenige Anlässe, in denen ich ein eBook vorziehe. Und wenn wir von dem Bücherregal reden: Klar, eBooks sparen Platz. Aber mal ehrlich: So ein einzelnes, kaltes Stück Technik irgendwo in der Wohnung – wie sollte das den Anblick der ganzen Buchrücken ersetzen? Jeder ist anders. Jedes Regal wird von seinem Menschen nach einem Schema sortiert. Nach Farben, nach Autoren, nach Genre… So viel Leben und Persönlichkeit spricht aus einem Bücherregal. Aus den Büchern. Die zwängt man nicht einfach in so ein kleines Gerät. Irgendwie – ein Bücherregal ist Leben. Leben in der Wohnung. Leben für die Geschichten zwischen den Buchdeckeln. Dagegen:  Ein eBook Reader ist wie ein Gefängnis für die Bücher. Sie werden eingesperrt, ihrer Persönlichkeit beraubt, ausgeschaltet. Finde ich.