Schlagwort: Rezension

Gelesen: Was wir dachten, was wir taten

Cover was wir dachten… vor Bücherregal

Cover. Was wir dachten, was wir tatenSehr bedächtig, beeindruckt und nachdenklich legte ich den Debütroman der beim Schreiben erst 18jährigen Lea-Lina-Oppermann aus der Hand. Ich hatte „Was wir dachten, was wir taten“ für Töchterchen zum Nikolaus gekauft. Auf Empfehlung unserer Buchhändlerin, die die Autorin auch schon für eine Lesung zu Gast hatte. „Ja, es ist ab 14, aber bei dem, was sie sonst liest – das paßt!“ Mit 180 Seiten hat das kleine Buch ein angenehmes Format für den Stiefel, so dass ich es dann auch auswählte, aus all den anderen Wünschen. Die Art, wie die Buchhändlerin mir das Buch beschrieb, hatte mich so neugierig gemacht, dass ich es zu Hause direkt aufschlug. Und las. Und las. Wow. Wie stark geschrieben! Dann mußte ich das Lesen jedoch abbrechen, weil ich das Buch gesichert vor Töchterchens Augen verstecken mußte. Doch jetzt konnte ich „Was wir dachten, was wir taten“ zu Ende lesen. Da Töchterchen noch ein anderes Buch am Wickel hat, folgt hier nur meine Erwachsenen-Meinung dazu.

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Gedanken: Kinder- und Jugend-Buchbewertungen

gestapelte Bücher

Sie geistert schon eine ganze Weile in meinem Kopf herum: Die Frage nach dem Wert von Buchbewertungen zu Kinder- und Jugendbüchern. Buchbewertungen wie sie zum Beispiel bei Amazon zu Hauf abgegeben werden. In denen Eltern oder auch Großeltern, Tanten, Onkel etc. über die Bücher schreiben, die die Kinder gelesen haben, bzw. sogar erst lesen sollen. Oder die ihnen vorgelesen wurden. Wie oft liest man da: „Mir gefiel das Buch sehr gut (…), mein Enkel wird sich sicher darüber freuen.“ Ja, nun. Erwachsenensicht. Immer wieder, überall vor allem bei den Kinderbüchern. Erstaunlich selten im Verhältnis steht dann auch mal eine Bewertung da, in der die Reaktion der Zielgruppe, nämlich der Kinder und auch Jugendlichen erwähnt wird.

Wir schreiben hier auch über Kinder- und Jugendbücher. Aber immer nur über die, die wir unserer Tochter vorgelesen haben. Immer nur unter Berücksichtigung dessen, was sie dazu gesagt hat, wie sie reagiert hat. Es kam auch schon vor, dass ein Beitrag zu einem Buch nicht geschrieben wurde, weil ich nicht wußte, wie ich über das Buch schreiben soll, weil Töchterchens Meinung nicht so richtig greifbar war.

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Gehört: Seefeuer

Cover Hörbuch Seefeuer

Mit Seefeuer von Elisabeth Herrmann hörten Töchterchen und ich uns unser erstes Jugendthriller-Hörbuch. Die geplante 600 km Fahrt zu Oma und Opa fiel aus, so dass wir es nur häppchenweise hören konnte, was teilweise etwas blöd war, weil es doch einige spannende Stellen gab, bei denen ich sehr ungerne unterbrochen habe. Doch von vorne.

Warum hatte ich „Seefeuer“ rausgesucht? Es versprach Spannung. Es spielt an der Nordsee und die Seehundstation Friedrichskoog, in der Marie, die Hauptperson arbeitet, kennen wir auch. Praktisch beim Fahren auf der Autobahn wäre auch gewesen, dass der Hörverlag die gekürzte Lesung auf eine mp3 gebracht hat, da entfällt der CD-Wechsel. 7 Stunden, 20 Minuten. Prima Länge für einmal Hamburg und zurück. Theoretisch.

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Gedanken im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse

Collage aus Buchmessenfotos

Es ist wieder soweit: Die Frankfurter Buchmesse öffnet ihre Tore. Das erste Mal gingen wir noch ganz unvorbereitet hin. Wobei – unvorbereitet stimmt nicht. Wir haben uns ganz bewußt dafür entschieden, nichts zu planen und uns unvoreingenommen umzusehen. Jetzt waren wir schon einige Male zu Gast bei der Buchmesse. Nein, hier kommt jetzt nicht der 1000. Messeguide, was ziehe ich an, wie bereite ich mich vor etc.

Wir werden dieses Jahr wieder als Blogger an den Fachbesuchertagen auf dem Messegelände rumlaufen (zur generellen Akkreditierung von Bloggern als Journalisten sag ich besser nichts…). Ein Segen für mich, die ich ein massives Problem mit Menschenmassen habe. Wovon es auch da schon mehr als genug gibt, aber eben weniger als am Wochenende. Noch dazu ist die Buchmesse dieses Jahr während der rheinland-pfälzischen Herbstferien, das heißt, Töchterchen kann auch in der Woche mit und sich bei Bedarf mehrere Tage umsehen. Die Eintrittskarten sind ausgedruckt, ich schwanke zwischen Vorfreude und Grauen. Gut für mich ist, dass wir eben schon mehrfach da waren und somit eine gewisse Routine haben und uns ein wenig auf dem Gelände auskennen. Das senkt den Streßfaktor etwas.

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Gelesen: Mein Leben mal eben

Cover „Mein Leben mal eben“ vor Buchregal

Mein Leben mal eben CoverAnouk hat das Unnormal-Gen, so nennt sie selbst es. Das Unnormal-Gen, welches dafür sorgt, dass sie anders ist. Sie ist 13, und steht auf Metal, nicht auf Pop. Dass die anderen stundenlang in der Schule über ein Computerspiel reden, in dem sie sich Familien erschaffen und sie nur den Steinzeitlaptop einer ihrer Mütter hat, auf dem es sich nicht mal installieren läßt, macht es nicht gerade leichter. So wie die Tatsache, dass sie zwei Mütter und einen Vater nur als Samenspender hat, das Gefühl, nicht normal zu sein, noch verstärkt. Dem Steinzeitlaptop ist es allerdings zu verdanken, dass Anouk das Tagebuchschreiben anfängt. Was soll sie sonst mit dem Ding machen?

Das sind die Dinge, die der Leser, oder vor allem wohl die Leserin gleich am ersten Tag erfährt. Am ersten Tag des Tagebuchs. Denn auch „Mein Leben mal eben“ entspricht nicht ganz dem alltäglichem Buchaufbau. Nikola Huppertz schreibt hier keine klassische erzählte Geschichte aus der einen oder anderen Perspektive. Die Ich-Erzählerin erzählt hier nicht. Sie schreibt ihr Tagebuch. Das Tagebuch einer 13jährigen.

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Gelesen: Dark Matter – Der Zeitenläufer

Cover Dark Matter vor Bücherregal

Ich beginne mal mit dem Klappentext, der der Grund war, warum ich dieses Buch kaufte: „ „Bist Du glücklich?“ Das sind die letzten Worte, die Jason Dessen hört, bevor ihn ein maskierter Mann niederschlägt. Als er wieder zu sich kommt, begrüßt ihn ein Fremder mit den Worten „Willkommen zurück, alter Freund.“ Denn Jason ist in der Tat zurückgekehrt – doch nicht in sein eigenes Leben, sondern in eines, das hätte sein können. […] Auf der Suche nach einer Antwort begibt sich Jason auf eine ebenso gefährliche wie atemberaubende Reise durch Zeit und Raum. Eine Reise, die ihm am Ende auch mit den dunklen Abgründen seiner eigenen Seele konfrontieren wird.“

Das klang spannend. Jason Dessen lebt ein normales Leben, mit einer mehr oder weniger befriedigenden Ehe, einem Sohn und Abenden in der Kneipe. Eines Abends wird er gekidnapped und wacht in einer neuen Welt auf. In der er erfolgreich ist. Er aber keine Ahnung hat warum. Ein High-Tech-Labor. Er der führende Wissenschaftler. Der Zeitreisen möglich machen wollte und dies selbst ausprobierte.

Die Theorie, warum das Reisen in Zeit und Raum möglich sind, werden im folgendem „wissenschaftlich“ erläutert. Wie weit das aus dem Aluhut gezogen ist oder halbwegs logisch ist, kann ich nicht sagen. Ehrlich gesagt, ich habe es auch verdrängt.

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Gelesen: Miranda Lux – Denken heißt zweifeln…

Miranda Lux

Cover Miranda Lux…oder warum jede Geschichte zwei Seiten hat. Der Titel des Buches von Oliver Schlick folgt zumindest schon mal dem Trend zur Überlänge. Ansonsten ist das Buch jedoch keinem Massentrend zuzuordnen. In keiner Hinsicht. Es ist eigen. In nahezu jeder Hinsicht. Aufgefallen war es uns das erste Mal – wie sollte es anders sein – auf der Frankfurter Buchmesse, 2016. Ein dickes Buch, 380 Seiten hat es in der Hardcoverausgabe. Schon beim kurzen Reinlesen auf der Buchmesse fiel uns der eigene Schreibstil von Oliver Schlick auf. Ob dieser zu uns paßt, löste bei uns zunächst gewisse Zweifel aus. Dass auch ein Reiz davon ausgeht, war jedoch klar. Irgendwann stand „Miranda Lux“ somit in Töchterchens Regal und wurde schließlich zum Vorlesebuch ernannt.

Um was geht es? Um Miranda. Ihren Lehrer Victor Carelius. Um Verschwörungen. Aber vor allem geht es ums Zweifeln. Wie der Titel es schon ankündigt. Das entwickelt sich zunächst relativ „harmlos“ und fast noch alltäglich.

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Gehört: Ein Meer aus Tinte und Gold

Ein Meer aus Tinte und Gold Hörbuch

Vorweg: Ich beziehe mich hier auf die Hörbuchfassung, welche natürlich gekürzt ist, was sich in diesem Fall stark auf Inhalt und Eindruck ausgewirkt haben könnte.

Auf langen Fahrtstrecken im Auto hören wir gerne ein Hörbuch. Kürzlich war es „Ein Meer aus Tinte und Gold (Das Buch von Kelanna)“ von Traci Chee, gelesen von Laura Maire. Ich hatte das Buch an sich vor einiger Zeit online entdeckt, die Inhaltsangabe reizte mich, das Cover war wunderschön gestaltet. Als es mir dann als Hörbuch im Buchhandel begegnete, nahm ich es kurzentschlossen mit. Wir legten gespannt die CD ein, ein Land, in welchem niemand weiß, was ein Buch ist, wo Lesen unbekannt ist, mittendrin Sefia, die seit der Ermordung ihre Vaters mit ihrer Tante Nin auf der Flucht ist, in ihrem Rucksack ein merkwürdiger Gegenstand, der offensichtlich der Grund für ihre Flucht ist. Ein Buch. Als Nin entführt wird, ist Sefia auf sich allein gestellt, sie macht sich an die Verfolgung von Nins Spur.

Das klang interessant. Der Einstieg war leicht verwirrend. Wer ist wer? Na, am Beginn einer Geschichte muss man ja oft erstmal reinfinden, dachten wir uns. „Ein Meer aus Tinte und Gold“ spielt in in dem fiktiven Land Kelanna, von dem man bis zum Ende nicht so ganz begreift, wo es sich befinden könnte. Es fehlt jegliche typische Beschreibung zur Einordnung. Eher tropisch? Aber das ist ja nur Nebensache. Meer. Schiffe. Magie, eine ganz eigene Form der Magie. Sefia ist die Hauptperson, alles dreht sich um sie und das Buch, nur wie, das begreift man kaum. Sefia befreit bald einen Jungen aus einer Kiste, er wirkt verängstigt, ist stumm, lernt aber, sich mit Sefia per Zeichen zu verständigen. Sefia gibt ihm den Namen Archer. Dann ist da plötzlich ein zweiter Erzählstrang rund um einen Käpt’n  Lee und noch ein dritter um ein paar andere Personen, die Sefia auch jagen. Klingt verworren? Ist es auch.Weiterlesen