Spieletest: Das verrückte Labyrinth

labyrinthEin Spiel für jung und alt, ganz ohne Würfel. Taktisches Denken ist hier ungemein hilfreich, doch lest selbst:

Das Spiel
Das verrückte Labyrinth ist ein Brettspiel für 1-4 Spieler ab 8 Jahren, allerdings spielt unsere Tochter es schon, seitdem sie ca. 3,5 ist. Mit ein wenig Hilfe klappt das erstaunlich gut, grundsätzlich war ihr schnell klar worum es geht. Interessanterweise fehlt hier mal die Altersbegrenzung nach oben hin, wie sie die Spielehersteller so gerne mit aufdrucken. Kein von 8-88 Jahren…
Es gibt ein Spielbrett auf dem 12 Quadrate mit aufgemalten Steinmauern, Wegen und Symbolen aufgeklebt sind. Zusätzlich hat man vier Spielsteine, 34 weitere sogenannte Gängekarten und 24 Geheimniskarten.
Die Gängekarten werden in unbestimmter Mischung und Richtung auf dem Spielfeld verteilt, die Plätze hierfür sind durch die bereits festen Karten vorgegeben. Eine Karte bleibt übrig. Dann erhält jeder Spieler eine Spielfigur und schließlich werden die Geheimniskarten gleichmäßig auf die Spieler verteilt. Diese Karten darf sich aber keiner angucken und sich liegen mit dem Rücken nach oben auf dem Tisch.

Spielidee
Die Spieler befinden sich in einem verwunschenen Labyrinth, in dem sie verschiedene Schätze und Lebewesen finden müssen.

Sie befinden sich auf Entdeckungstour nach den Geheimnissen im unbekannten Labyrinth und müssen diverse Hindernisse in Form sich verschiebender Wände, Wege und Schätze überwinden, um an ihre Ziele zu gelangen und schließlich das Labyrinth wieder verlassen zu können.

Spielregeln
Jeder Spieler sieht sich seine oberste Geheimniskarte an, behält das Symbol darauf jedoch für sich. Der erste erhält die überzählige Gängekarte. Am Rande des Spielfelds sind Pfeile aufgemalt, an diesen Stellen können die Spieler die freie Gängekarte einschieben. Dies sollte so geschehen, daß es einem ermöglicht sich möglichst weit seinem Ziel von der Geheimniskarte anzunähern. Dadurch fällt auf der anderen Seite eine neue Karte aus dem Spielfeld raus. Dann zieht der Spieler, der die Gängekarte eingeschoben hat mit seiner Spielfigur durchs Labyrinth so nah wie es geht an seinen Schatz heran. Er kann sich soweit bewegen, wie die Wege es zulassen. Ist eine Mauer in seinem Weg, muß er anhalten und der nächste Spieler ist an der Reihe. Hat er sein Ziel erreicht, dreht der Spieler seine Geheimniskarte um, dass jeder sie sehen kann und widmet sich beim nächsten Zug der nächsten Suche.
Man muß die Gängekarte irgendwo einschieben, auch wenn man sein Ziel ohne Mauern verschieben erreichen könnte, oder man keine Chance hat, seinen Weg dadurch zu verbessern. Andererseits besteht kein Zugzwang. Jeder kann seine Figur stehen lassen, wenn er es für die beste Taktik hält. Sieht ein Spieler ein bereits von einem anderen Spieler besetztes Feld als das beste für sich an, kann er sich dazustellen. Dann steht man zu zweit auf einem Feld.
Hat man alle Ziele erreicht und sind alle Karten eines Spielers aufgedeckt, muß dieser wieder zurück zu seinem Ausgangsfeld. Wer als erstes wieder zurück in seiner Ecke ist, hat gewonnen.
Um das Spiel besonders für kleinere Kinder einfacher zu machen, kann man entweder die Geheimniskarten komplett offen hinlegen oder jeder kann sich seine alle angucken und dann sein nächstes Ziel frei wählen, je nachdem wo er am dichtesten dran ist. Bei ganz kleinen Kindern helfen die Eltern natürlich noch mit, den richtigen Weg vorauszuplanen.

Praxis
Jeder Spieler kann für sich entscheiden, wie er seine Prioritäten setzt. Darauf, nur seine eigenen Ziele zu erreichen, oder darauf möglichst auch den anderen den Weg zu versperren. Für mich hat es sich als beste Taktik erwiesen, zuerst zu gucken, wo ich hin muß und schon während meine Mitspieler beim Verschieben sind, mir Gedanken über verschiedene Wege zu meinen Schätzen zu machen. Es passiert nicht selten, daß einem der ursprünglich angedachte Weg von anderen wieder komplett verbaut wird. Dadurch, daß es verschieden Gängekarten gibt – einige haben einfach nur einen geraden Weg, andere nur eine Kurve und wieder andere bieten drei Auswege zur nächsten Karte – kann man sich einen ganz tollen Weg ausgedacht haben, erhält dann aber eine falsche Karte zum Einschieben und sitzt dumm da.

Theoretisch kann man seinen Weg erst planen, wenn man selber an der Reihe ist. Vorausdenken spart jedoch viel Zeit und man hat wesentlich mehr Ruhe. Meist kümmer ich mich nur sehr indirekt um das, was meine Mitspieler tun, wenn sie an der Reihe sind. Ich konzentriere mich in erster Linie darauf, wie ich zum Ziel gelange, welche Möglichkeiten ich habe und was mir der andere kaputtmachen, bzw. wie er mir sogar weiterhelfen könnte. Das hat sich bewährt. Wer erst in dem Moment anfängt sich Gedanken zu machen, in dem er selber dran ist, übersieht häufig Wege.

Vor allem sollte man stets das ganze Spielfeld im Auge behalten und nicht nur den augenscheinlich kürzesten Weg. Teilweise ist es unmöglich direkt auf sein Geheimnis das nur 2 Felder weiter ist, zu kommen. Egal was für eine Gängekarte man in der Hand hat und wo man sie reinschiebt. Es ändert für den anscheinend einzigen Weg nichts. Man darf sich nie auf einen Weg fixieren. Guckt man in so einer Situation noch einmal gründlich über das gesamte Spielfeld ist es häufig möglich auf vermutlichen Umwegen doch direkt mit geschicktem Nutzen der Gängekarte zum Ziel zu gelangen. Den Weg „durch-die-Mitte-und-dann-außenrum“ sollte man nie außer acht lassen. Egal wie dicht neben seinem Ziel man sich befindet.

Kann man sein Ziel nicht im selben Zug erreichen, muß man vorausschauend denken. Welche Möglichkeiten hat man sicher beim nächsten Zug? Was können einem die Mitspieler noch kaputtmachen? Stellt man sich direkt an die nächste Mauer und hofft, beim nächsten Zug bessere Möglichkeiten zu haben, oder bleibt man lieber ein Stück vorher stehen und hat dann womöglich später bessere Chancen? Diese Fragen sollte man sich durch den Kopf gehen lassen. Nicht immer ist die weiteste Möglichkeit auch die beste, oftmals stellt man sich selbst damit in eine Sackgasse oder verschenkt einen Zug.

Braucht man eigentlich nichts verschieben um ans Ziel zu gelangen, macht es nicht viel Sinn, die Gängekarte wahllos einzuschieben. Denn zum einen ist man nicht alleine im Labyrinth, zum anderen muß man ja auch beim nächsten Mal noch irgendwohin. Hier hat man dann die Möglichkeit sich schon mal auf gut Glück einen Weg in eine andere Richtung zu bauen oder seinen Konkurrenten eine Mauer in den Weg zu setzen. Beides ist Glückssache, da man weder seine nächste noch die Geheimniskarte des Gegners kennt.

Eine zusätzliche Schwierigkeit besteht darin, dass sich nicht alle Schätze auf festen Gängekarten befinden. So kann es durchaus passieren, dass sich das anvisierte Ziel plötzlich an einer komplett anderen Stelle des Spiels befindet und man quasi von vorne anfängt.

Fazit
Das verrückte Labyrinth ist ein Brettspiel, bei dem man viel Spaß haben kann. Die Ansätze können verschieden sein. Man kann einfach nur Spaß haben und irgendwie drauflosspielen oder man kann ganz ernsthaft sein strategisches Denken testen und einsetzen. Ich finde das Spiel macht einfach Spaß. Heiligabend hatten wir viel Spaß und gegenseitig die Wege zu verbauen, sei es nun mit Absicht oder nur um sein eigenes Ziel zu erreichen. Eine Spielrunde dauerte teilweise ewig, zumindest für meine Mitspieler, da ich oftmals minutenlang scheinbar regungslos aufs Spielfeld starrte, um doch noch einen Weg zu finden. Dafür erntete ich zwar einige blöde Sprüche, am Ende fand ich aber meist zu ihrer Überraschung doch noch eine Möglichkeit weiterzukommen. Ich hingegen verzweifelte teilweise an meinem Mitspieler, der meine gesamten strategischen Pläne zunichte machte, weil er mich, wenn er selbst nicht weiterkam ganz einfach einmauerte. Allerdings muß sich Papa von Töchterchen schon mal blöde Sprüche anhören, wenn er nicht weiter weiß. Die denkt nämlich auch um ganz viele Ecken: „Oh man, Papa, das ist doch ganz einfach! Dann gehst du erst da lang, und dann mußt du da hin und nochmal da rum und dann bist Du da.“

Gerade in geselliger Runde macht es einfach Spaß und manchmal erinnert das Labyrinth doch ein wenig an „Mensch ärgere Dich nicht“. Zumindest in der Reaktion der Mitspieler, wenn man ihnen eine Mauer in den Weg schiebt, oder alle Pläne mit einer falschen rausgeschobenen Gängekarte zerstört.
Das Spiel ist jedesmal anders, man kann nie vorhersagen, wie es verläuft. Es ist für jeden spielbar und wird auch für Erwachsene nicht langweilig, wenn sie mit offenen Karten und mit kleineren Kindern spielen.