Monty Roberts: Der mit den Pferden spricht

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Monty Roberts ist der echte „Pferdeflüsterer“. Er diente als Vorbild für Nicholas Evans Bestseller Roman. Und er ist vor allem in seinen Handlungsweise wesentlich konsequenter als der Möchtegern-Pferdeflüsterer Robert Redford im gleichnamigen Film. Denn hier wird Monty Roberts wetlberühmtes „Join Up“ ad absurdum geführt, fesselt Tom Booker doch am Ende das Pferd und zwingt es zu Boden. Eine Szene gegen die Monty Roberts sich sehr gewehrt hat und von der er sich distanziert.

In „Der mit den Pferden spricht“ beschreibt er anschaulich und lehrreich seinen Lebensweg mit den Pferden. Roberts war Sohn eines Ranchbesitzers und war somit von klein auf den Umgang mit Pferden gewohnt. Er lernte es die Pferde „zu brechen“, eine übliche Methode um die Pferde zu zähmen und einzureiten. Allerdings war er mit dieser Art mit Pferden umzugehen stets unglücklich und zog sich schon als Kind heimlich zurück, das Verhalten der Tiere zu studieren. Zumal auch er selbst ständig von seinem Vater geschlagen wurde. Er beobachtete jede Bewegung der Pferde in der Herde. Im Laufe der Zeit entwickelte er seine eigene Methode die Pferde zu zähmen. Hierbei arbeitet er ganz ohne Gewalt und baut ausschließlich darauf das Vertrauen des Pferdes zu gewinnen. Wie er das erreicht hat er sich in seinen Tagen und Nächten in der freien Natur bei den Pferden selbst abgeguckt.

Monty wurde schon als kleiner Junge auf Turniere geschickt, als einjähriger saß er gar das erste Mal im Sattel. Solange er nur die brutalen Methoden seines Vaters kannte, ein Pferd zu „zähmen“ war er stets unglücklich. Das damals allgemein übliche „brechen“ und „sacken“ möchte ich hier nicht weiter erläutern, dient es im Buch doch „nur“ dazu Monty Lebensweg zu beschreiben und ich möchte an so brutale Methoden kein Wort verschwenden. Mit seinen eigenen Beobachtungen und Theorien erntete er von seinem Vater nur Spott uns Schläge. Trotzdem glaubte er daran, das Richtige zu tun und behielt heimlich seinen Weg bei. So wuchs er auf, wurde älter und wurde stets belächelt oder verspottet, auch wenn er noch so gute Erfolge mit dem von ihm trainierten Pferden vorweisen konnte. Bis eines Tages – 1989 – die Königin von England von ihm erfuhr und ihn zu sich bat. Die Wende in seinem Leben. Er reiste mit seiner Frau Pat nach England und beeindruckte die Queen auf tiefste. Sie beschloß sofort, daß diese Methode in der Pferdewelt endlich Anerkennung finden müsse und organisierte eine Tour von Monty Roberts durch England.
Auf seinen eigenen Flag is Up Farms führt er bis heute mit seinr Familie (zu der auch unzählige Pflegekinder zählen) Seminare für Reiter und Manager (!) durch. Denn das Join Up ist problemlos auch auf das Arbeitsleben anzuwenden. Ich will hier nicht genauer beschreiben, was Monty in seinem Leben alles erlebte, wie er zu dem wurde, was er ist. Sonst kommt womöglich noch jemand auf die Idee, hier schon so viel erfahren zu haben, daß er das Buch nicht mehr lesen muß.

Der „alte Cowboy“ wie er sich selbst gerne nennt hat ein bewegtes Leben hinter sich und hinterläßt einen bleibenden Eindruck. Sein Join Up ist im Grunde so einfach, so logisch, es ist unverständlich, warum so viele Menschen ihren Mitlebewesen (nicht nur Pferde) immer noch mit Gewalt versuchen, den eigenen WIllen aufzuzwängen. Partnerschaft und Vertrauen sind die Zauberworte. Und weltweit kann sollte man mittlerweile begriffen haben: Der Erfolg gibt ihm Recht. Unzählige Problempferde gingen durch seine Hände und am Ende war das „Problem“ im Pferd vergessen. Kein Pferd, bei dem er erfolglos aufgab. Wenn das nicht Beweis genug ist… Das Taschenbuch aus dem Bastei Lübbe Verlag hat 382 Seiten, kostete in DM 19,90 und ist mit vielen Fotos versehen. Ich habe es verschlungen und halte es für unbedingt lesenswert. Denn man lernt viel und das auf eine sehr lockere und unterhaltsame Weise. Die Selbstverständlichkeit, mit der Monty Roberts von seinem Leben mit Pferden berichtet ist einfach nur faszinierend. Auch wie er die „unangenehmen“ Seiten seines Lebens einfach als Tatsache und so geschehen akzeptiert.

„Der mit den Pferden spricht“ ist ein eindrucksvolles Lehrbuch, das sehr interessant zu lesen ist. Und das sicher nicht nur Reiter und Pferdefreunde. Denn es erscheint nicht als Buch, in dem gesagt wird: so und so mußt du es machen, nein Monty Roberts beschreibt sein Leben, wie er zu dieser Methode des sog. Flüsterns gefunden hat und was ihm dabei im Wege stand. Es ist die Geschichte eines beeindruckenden Mannes der aus Überzeugung gegen alle Widerstände und Zweifler ankämpfte und schließlich sogar die volle Anerkennung von Queen Elizabeth fand. Zweifellos der Punkt, der sein Leben und das vieler Pferde veränderte. Dieses Buch sollte zur Pflichtlektüre für Bereiter, Reitlehrer und alle die mit Pferden arbeiten und leben werden. Damit endlich auch die letzten begreifen, daß ein Pferd ein Lebewesen ist und Respekt verdient und daß man auch ohne Gewalt MIT dem Pferd leben kann. Die Beweise sollte Monty Roberts eigentlich mit diesem Buch, seinem Leben und seinen Erfolgen geliefert haben. Am Ende des Buches dachte ich nur: Wenn ich einen Menschen gerne kennen würde, dann ist es dieser Mann…