Liliane Susewind und der Knoten in der Zunge

Heute war es soweit. Ich habe mir das erste mal ernsthaft gewünscht, dass Frau Wirbelwind selber lesen kann. Naja, halb-ernsthaft. Eigentlich war es ja schön. Was? Madame hat sich heute tatsächlich ein Buch von gut 230 Seiten an einem Tag von mir vorlesen lassen!

Ein Kind auf der Zielgerade zum sechsten Geburtstag hatte den ganzen Tag nichts anderes im Kopf, als zu hören, wie die Geschichte weitergeht „Mama! Liliane weiterlesen!“, lautete es sobald ich wagte, auch nur kurz auf Toilette zu gehen…

Der vierte Band von Liliane Susewind – Schimpansen macht man nicht zum Affen – wurde gestern spontan gekauft. Der Nikolaus brachte Teil 3 – Delfine in  Seenot – und ich mußte soviel daraus vorlesen, dass mir sehr schnell klar war, das hält nicht mehr lange vor. Gestern war dann das Nikolaus-Geschenk durch, ich muß zugeben, es war wieder spannend, witzig und sicher auch irgendwie lehrreich (siehe Rezension zu Teil 1):

Liliane macht mit ihrer Familie und ihrem besten Freund Jesajah Urlaub an der Nordsee. In einer Pension mit sehr eigenartiger Inhaberin und Tochter im Rollstuhl. Die wird im Laufe des Buches von einem zutiefst traurigen Kind zur glücklichen Heldin. Lillis Mutter hat die ganze Zeit nichts anderes zu tun, als zu arbeiten, und außerdem verbietet sie Lilli, dass irgendjemand von ihrer besonderen Gabe erfährt. Dann sind Delfine in Not. Sie haben durch den Lärm der Menschen die Orientierung verloren und sind so an der Nordsee gestrandet. Nur durch Lilianes Fähigkeit, mit Tieren zu sprechen und Jesajahs überdurchschnittlich schneller Auffassungsgabe und seinen tollen Einfällen (er ist hochbegabt) gelingt es, die Delfine wieder in ihre Heimat zu bringen. An manchen Stellen finde ich die Figuren doch etwas überzeichnet, zu einseitig in ihren Charakteren, trotzdem paßt es zusammen.

Tanja Stewner ist mit den Geschichten um Liliane Susewind wirklich eine wundervolle Buchreihe geglückt. Lilli und Jesajah sind durch ihre jeweiligen besonderen Begabungen ein tolles Team, ihre Erlebnisse reißen jung und alt mit. Oft lachen Frau Wirbelwind und ich gemeinsam, besonders über Frau von Schmidt und Bonsai. Herrlich, wie die Tiere in ihren Eigenarten konsequent in den Geschichten leben! Nebenbei lernt man auch was über die verschiedenen Tierarten, über Tierschutz, über Gerechtigkeit… Alle Figuren haben ihren spezifischen Charakter, aber zum Beispiel Lilianes Mutter ist trotz allem auch bereit, sich dann doch zu ändern. Gut, ich als Erwachsene kann die eine oder andere Vorhersehbarkeit und Schwachstelle finden, aber schließlich sind es Kinderbücher. Dafür sind sie perfekt. Schöne Geschichten, die einen in eine teilweise sehr fantasievolle Welt entführen, immer spannend und nur vorsichtig unheimlich sind. Sie fesseln. Auch schon meine fünfjährige. Wie ich heute besonders feststellen mußte. Ein ganzes Buch aus einer Reihe für Achtjährige an einem Tag durch. Ich kam doch öfter mal ins Straucheln beim Vorlesen, bei so langen Strecken am Stück. Frau Wirbelwind hörte zu, malte, kuschelte, wuselte rum – und bekam alles mit.

Liliane Susewind – Schimpansen macht man nicht zum Affen ist wieder ein Buch, welches es nur dadurch geben kann, dass Lilli mit den Tieren sprechen kann. Ein kleiner Schimpanse taucht auf, sehr verängstigt, Liliane gewinnt sein Vertrauen. Sie stellt fest, dass der kleine Affe kaum sprechen kann und bringt ihn in den Zoo, in welchem sie als Tierdolmetscherin arbeitet. Zusammen mit Jesajah, ihrem Hund Bonsai und Jesajahs Katze Frau von Schmidt kommt sie hinter das Geheimnis des Tieres. Der kleine Schimpanse wird übrigens kurz darauf wieder aus dem Zoo geklaut. Allerdings ist dieses Mal etwas anders, als in den bisherigen Büchern.

Plötzlich macht Jesajah nicht mehr mit, verhält sich merkwürdig, Lilli ist auf sich allein gestellt. Die fiesen Schwestern Trixi und Trina tauchen wieder auf, aber diesmal lernen die Kinder, dass die beiden nicht ganz ohne Grund so bösartig sind. Schließlich ringt Jesajah sich doch dazu durch, Lilli den Grund für sein merkwürdiges Verhalten zu sagen und so wird am Ende – auch mit Hilfe anderer Zootiere – doch alles gut. Auch zu diesem Band läßt sich nur wiederholen: Spannend, lustig, fesselnd. So fesselnd, dass das ganze Buch an einem Tag vorgelesen werden mußte 🙂

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