Ich muss mich mal aufregen. In Rosa. Und Blau.

Es wird sich ja fleissig aufgeregt über die Mädchen-Ü-Eier oder Lego-Friends. Oder allgemein, wenn Mädchen in die rosa Ecke gerückt werden. Uns ist auf der Buchmesse aufgefallen, dass auch bei Büchern der Trend dahin geht, Mädchenbücher rosa oder lila zu gestalten.
Worüber sich aber keiner aufregt, und das verstehe ich ja nun mal bei dem ganzen Gender-Geheule gar nicht: Jungs-Zeugs hat immer was mit Monstern, Kampf zu tun. Und mit… hm… Wettkampf. Also in dem Sinne: Mein Held ist besser als Deiner. Mein Monster ist böser als Deines.

Mädchen werden in die Pferde-Ecke gedrängt, um es mal bildlich auszusprechen. Alles schön, rosa toll. Jungs werden in die Kampf-Ecke geschoben.

Alles regt sich also darüber auf, dass Mädchen in eine bestimmte Rolle gedrängt werden. Das Jungs aber auch in eine bestimmte Rolle gedrängt werden, dass interessiert keine Sau. Weder die Femen noch die Maskus. Warum regt sich die Gesellschaft auf, wenn Mädchen in eine Rolle gedrängt werden, aber nicht, wenn Jungs in eine Rolle gepackt werden? Nicht alle Jungs stehen auf Star Wars, Chima etc. Ich sehe es ja im echten Leben, da gibt es Jungs, die Spaß am Voltigieren haben. Was nicht heißt, dass sie nicht auch Star Wars mögen.

Warum werden Kinder schon im frühen Alter in Farben und Themen sortiert? Was soll das? Unsere Tochter findet zum Beispiel Barbie ganz schrecklich. Dabei ist sie genau die Zielgruppe. Warum müssen Mädchenbücher (und schon da bin ich auch schon in der Falle) rosa/pink gestaltet und Jungsbücher eher blau/dunkel?

Was mich an das Gespräch mit einer dtv-Mitarbeiterin, die ich auf die Pink-Serie (PDF) ansprach: „Es wird halt gekauft“. Ich habe mal in eine der Leseproben reingelesen. Und Sorry, es war… ähm, zum erbrechen. Eine 11-Jährige mit iPhone, die auf Party aus ist. Was für ein Bild wird da bitte vermittelt? Und so ein Kram verkauft sich. Und da regt sich die Welt über Mädchen-Ü-Eier auf?

Bei Jungs wird es vermutlich das Skateboard sein. Oder das BMX-Rad. Ich kenne Mädchen, die skaten besser als ich. Also damals. In der Schule. Und das war cool.

Warum regt sich eigentlich keiner auf, dass Jungs in die Kampf/Krieg-Ecke geschoben werden? Das bei Jungs-Zeugs auch mehr auf Wettkampf gesetzt wird? Warum regt man sich nur auf, wenn es spezielles Mädchen-Spielzeug gibt? Wieso echauffiert sich niemand über Jungs-spezifisches Spielzeug? Wieso ist es okay/normal, dass es für Jungs konzipiertes Spielzeug gibt, aber wenn man was für Mädchen entwirft, dann rollt der Shitstorm über einen weg?!

Kann mir das mal jemand schlüssig erklären? Warum regen sich alle auf, wenn es um Mädchen geht? Und bei Jungs interessiert es keine Sau, wenn sie in eine Rolle gedrängt werden? Mal ganz ehrlich: Ich würde, hätte ich einen Sohn, diesen ganzen Kampf-Kram verweigern. Lego Star Wars ja, im gewissen Rahmen. Aber alles was mit (Wett)Kampf zu tun hat, alles was mit damit zu tun hat, Kinder in eine Rolle zu packen, Nein.

Ja, sicher, unsere Tochter liebt Lego Friends. Aber das, was da von manchen Leuten reininterpretiert wird, das existiert für sie gar nicht. Für sie ist es einfach ein Mittel zum spielen, ihre Interessen ins Spiel zu verpacken.

Kann man nicht einfach mal vollkommen unverkrampft an die Dinge gehen? Oder sich bitte auch einmal darüber aufregen, dass nicht nur Mädchen in eine Rolle gedrängt werden? Sondern auch die Jungs? Kann man nicht mal weg von der Farbensortierung? Rosa/Pink für Mädchen, Schwarz/Blau für Jungs? Ich meine, es geht ja. Der Tulipan-Verlag gestaltet seine Bücher vollkommen neutral. Und auch die Themen sind gender-neutral. Und die Bücher nicht rosa oder blau. Und ratet mal, wo sich unsere Tochter ein Buch auf der Buchmesse ausgesucht hat? Genau.

Ich würde mir wirklich mal einen Shitstorm wünschen wenn ein Spielzeug-Hersteller ein Jungs-spezifisches Spielzeug rausbringt. Und zwar so einen richtigen. Aber es scheint ja nur wichtig zu sein sich aufzuregen, wenn es Mädchen-spezifisch ist. Das hat ja mehr Medienwirksamkeit. Aber dafür haben diese ganzen Gender-Nazis ja nicht den Arsch in der Hose. Ja, ich meine Euch, Ihr Femen und Maskus. Stellt doch mal das System in Frage. Warum bereits Kinderspielzeug in bestimmte Rollen gepackt wird. Warum bei Jungs der Wettkampf in den Vordergrund und bei Mädchen der Ponyhof? Es gibt auch Jungs, die reiten und Mädchen, die sich prügeln. Und Mädchen, die Star Wars geil finden und Jungs, die Kampf doof finden.

Warum also regt man sich bei Frauen/Mädchen-Themen künstlich auf? Und nicht bei Männer/Jungs-Themen? Na? Na? Na?
Genau. Ich kann Euch nicht mehr ernst nehmen, wenn Ihr Euch nur aufregt, wenn es um Mädchen geht. Wenn Jungs in eine Rolle gedrängt werden und Ihr Euch nicht aufregt, dann habt Ihr das Thema nicht verstanden.

6 Kommentare

  1. Ich seh das genauso, Kinder sollten mit dem Spielzeug spielen bzw. das machen, was Ihnen Spaß macht und nicht, was die Gesellschaft vorgibt.
    Mich kotzt dieses gendering an.

  2. Sehe ich genauso… zumal ich 2 Töchter habe und genau diese Erfahren machen musste ;o eine war im typischen Mädchenbild und es gefiel ihr auch… die andere wehrte sich mit Händen und Füssen in diese Fuss-Stapfen zu treten. Ich habe beide ihr Ding machen lassen! Und es sind 2 super tolle Mädchen geworden ohne Zwang :))) *bin die Beste Mama im Universum* *immer noch vor Stolz platz*

  3. Das finde ich klasse. Die Kinder einfach ihr Ding machen lassen. Unsere mag kein Barbie, aber Lego-Friends, findet dafür Spielekonsolen nutzlos… (was ich ja nun doof finde, so komme ich doch nie zu meiner Wii)

  4. @Olaf: Dumm gelaufen 🙂

  5. Ja, dieses ganze „Jungen“- und „Mädchen“-Schubladensortieren ist furchtbar – und es prägt die Kleinen von Anfang an, so sehr man auch versucht, es zu vermeiden. So nervig. Unsere Kleine fällt im Kiga auf, weil sie zur Zeit vor allem in der Bauecke sitzt, zuhause sind Lego und Holzeisenbahn ganz groß. Puppen? Pff. Aber sie redet selbst von „Jungen“- und „Mädchen“-Spielzeug oder -Büchern, weil sie das von den anderen so lernt (nicht von uns – und unser Widerspruch zählt nicht). Andererseits liebt sie auch rosa und lila 😉 Mich ärgert das unter anderem auch sehr bei Anziehsachen: Oberteile und Hosen sind für 3-4-Jährige schon auf Figur geschnitten. Mit dem Erfolg, dass die nicht vorhandene Taille im Falle eines kleinen Kinderbauchs schon dafür sorgt, dass die lieben Kleinen aussehen wie Wurst in der Pelle. Genauso dämlich. Von der Farbauswahl ganz zu schweigen. Warum kann nicht einfach jedes Spielzeug, jedes Buch für Jungen wie Mädchen in Ordnung sein?!

  6. Er ist zwar schon was älter, der Rosa und Blau Post hier, aber ich bin jetzt erst über ihn gestolpert und erlaube mir mal in eigener Sache einen Link zu setzen zum Buch „Die Rosa-Hellblau-Falle“. Wir regen uns nämlich sehr wohl über das veraltete Bild vom starken Mann auf, das Jungen in der Spielzeugabteilung, durch Schulranzenmotive, T-shirt-Drucke, TV-Serien, Werbung, durch die Erwartungshaltung der Erwachsenen …. nach wie vor vermittelt wird.

    Es ist für alle Kinder von Nachteil, Mädchen UND Jungen, wenn wir Erwachsenen an der Einteilung in Rosa und Hellblau festhalten:
    http://ich-mach-mir-die-welt.de/infobox/rezensionen-rosa-hellblau-falle/

    viele Grüße schickt
    Almut