Bonbon ist tot

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Bonbon, die eigentlich Déjàbonne hieß, mußte vollkommen unerwartet am Sonntag eingeschläfert werden.

Dejabonne

Am Mittag stellte ich noch ein vollkommen normales Pferd auf die Koppel, um 15:40 Uhr kam ein Anruf, Bonbon läge klatschnaß geschwitzt auf der Weide, versucht sie zu wälzen, sähe sehr schlecht aus. Ich bin in mein Auto gesprungen, direkt zur Weide gefahren und da sah ich das Elend. 4 oder 5 Menschen, die versuchten, Bonbon dazu zu bewegen, aufzustehen. Ein erbämlich nasses Pferd, welches schon die Augen verdreht hatte und nur noch ganz flach atmete. Keiner hätte gedacht, dass sie nochmal aufsteht. Als sie mich wahrnahm, meine Verzweiflung bemerkte, nahm sie alle Kraft zusammen und schaffte es irgendwann, wieder aufzustehen. Sie fiel wieder um, einer der Helfenden auf den Fuß (sie wurde gestern operiert), stand wieder auf.

Als der Tierarzt kam, wirkte sie deutlich besser, einfach deswegen, weil sie lief, sie hatte geäppelt und wir alle schöpften Hoffnung. Die Diagnose war jedoch vernichtend: verdacht auf Darmverschluß. Bonbon? Darmverschluß? Die hatte nie in ihrem 27jährigen Leben eine Kolik oder sonstige „Alltags-Krankheiten“. Klinik war kein Thema, Bonbon geht nicht freiwillig auf den Hänger, wenn sie denn die Fahrt überhaupt überstanden hätte. Alleine der psychische Streß wäre für sie nicht zu verkraften gewesen. Das hätte ich ihr nicht angetan. Schließlich gab es doch noch ein ganz winziges bißchen Hoffnung, der Tierarzt fuhr zu einem weiteren Notfall, und wollte danach wiederkommen. Ich ging also mit Bonbon los. Nach ein paar Metern rief ich Olaf an, mir war klar, dass Bonbon es nicht überleben würde. Dafür brauchte ich nur ein kleines Stück mit ihr alleine sein. Kein Trubel um uns rum, keine Hektik, keine Aufregung, nur wir beide beim gehen. Wir hatten noch Zeit für uns, ich konnte sie zum ersten Mal überhaupt richtig wahrnehmen.

Irgendwann erreichte ich dann wenigstens eine ihrer Reitbeteiligungen, wir waren mittlerweile in der Longierhalle angekommen. Sie kam sofort zum Stall hoch, Bonbon wieherte ihr laut zu. Sie wurde immer schwächer und ich hoffte, dass der Tierarzt bald zurückkäme, um sie zu erlösen. Schließlich kam er, unser Junior-Stallbesitzer fragte, ob ich dabei sein wolle. Natürlich wollte ich, ich lasse doch mein Pferd in dem Moment nicht alleine. Das wäre für mich unvorstellbar gewesen und ich hätte es mir nie verziehen. Auch die (mittlerweile zwei) anwesenden Reitbeteiligungen blieben bei Bonbon, als sie starb.

Danke an alle, die mir zur Seite standen, die geholfen haben, Bonbon wieder auf die Beine zu bekommen, die mit uns gehofft haben. Ganz besonderen Dank an Stephan, der sich ganz selbstverständlich um alles gekümmert hat, zur rechten Zeit am rechen Ort war. Nicht nur, was er in diesen Stunden getan hat, sondern auch wie, war einfach unschlagbar.

Bonbon im Schnee

Wir konnten uns immer auf unsere „Oma“ verlassen, selbst Frau Wirbelwind konnten wir bedenkenlos auf Bonbon reiten lassen. Kaum, dass sie sitzen konnte, ist sie mitgeritten, zu ihrem zweiten Geburtstag bekam sie einen Voltigiergurt geschenkt und durfte alleine draufsitzen. Bonbon war immer für uns da, sie hat mich besser gekannt, als jeder Mensch auf der Welt. Es hat mal jemand über sie gesagt: „Sie liest in deiner Seele, sie weiß mehr über dich, als du selbst.“
Sie war mehr als nur 100% zuverlässig. Immer um uns besorgt, ganz besonders um „ihr“ Kind. Für das hätte sie alles getan. Im Sommer hat sie noch eine grandiose Vorstellung als Einhorn gegeben. So grandios, dass selbst Frau Wirbelwind bis heute glaubt, ein echtes Einhorn gesehen zu haben. Nach 21 Jahren, 9 Monaten und 1 Tag mußte ich mich von diesem wundervollen Pferd trennen, es wird sicher dauern, bis wir alle, die wir sie geliebt haben, damit klarkommen. Bis wir nicht mehr das Brot für sie trocknen, die Äpfel und Wurzeln für sie in unsere Taschen stecken.

Bonbon

Danke Bonbon, für fast 22 Jahre an meiner Seite. Für Deine unglaubliche Ruhe, Deine Zuverlässigkeit, Deine Sicherheit. Du warst das beste Pferd der Welt, einfach einmalig. Vielleicht bist jetzt ja wirklich ein Einhorn, wie unsere Kleine es sich erhofft. Laß es Dir gut gehen, da wo Du bist. Wir werden immer an Dich denken!

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