Brummbärgeschichten: Kuscheltierausflug

Brummbaer-Ausflug2Ich muß Euch mal ein Geheimnis erzählen. Das kann ich, weil Ihr mir das ja  sowieso nicht glauben werdet. Ich bin ja schließlich nur ein dicker, alter Kuschelbär. Dicke alte Kuschelbären liegen tagsüber ja immer nur da herum, wo ihr Kind sie liegen gelassen hat. Genau wie alle anderen Kuscheltiere. Glaubt Ihr, stimmt’s?

Ihr irrt Euch. Ihr habt ja keine Ahnung, was wir so alles machen, wenn ihr Menschen mal aus dem Haus seid. Natürlich wissen wir immer, wann Ihr zurückkommt und deswegen fällt Euch nie auf, dass wir in Eurer Abwesenheit auch andere Dinge machen, als dumm rumzuliegen.

Neulich war hier vielleicht was los! Wir wußten, es dauert bis zum Abend, bis unsere beiden Mädchen wieder zurück sind. Da haben wir uns überlegt, wir könnten ja mal einen Ausflug machen. Einen kleinen. Wißt Ihr, wie aufregend das war? Das letzte Mal habe ich sowas gemacht, da war ich noch jung. Aber jetzt habe ich ja so viele junge Kuscheltiere um mich  herum, die sind noch ganz neugierig auf die Welt da draußen. Die Welt, in die ihr kleines Mädchen Tag für Tag verschwindet. Klar, nimmt sie immer mal wieder jemanden mit, aber das ist doch etwas anderes. Ich weiß gar nicht mehr, wer auf die Idee kam. Das war so ein typisches Durcheinandergeplapper der Jungen. Süß sind die manchmal, finden Mohrle und ich.

Irgendwie faßten wir also den Beschluß, einen Ausflug zu machen. Alle meinten, Mohrle und ich wären doch so alt und erfahren, wir wüßten bestimmt wie das geht. Zunächst waren wir uns sicher, dass wir vorsichtig sein müßten, damit uns kein Mensch sieht. Das verbietet die Kuscheltierehre. Wir beschlossen also, durch die Terrassentür nach draußen zu gehen. Wenn wir vorne rausgehen, entdeckt uns bestimmt jemand.

Das erste Problem war, dass wir die Tür aufbekommen mußten. Die ist nämlich ganz schön schwer zu öffnen. Aber alle zusammen haben wir das geschafft. Ganz vorsichtig habe ich die Tür dann aufgemacht und den Kopf herausgestreckt. Mein Herz hat so laut geklopft, dass ich dachte, mein kleines Mädchen würde das bestimmt bis zur Schule hören. Aber eine von den Kleinen witschte an mir vorbei und war ruckzuck draußen. Alle Ermahnungen zur Vorsicht hatte die Kleine vergessen und hüpfte voraus. Mohrle, ich und das Lieblingskuschelhäschen von unserem kleinen Mädchen riefen sie zurück. Wir drei hatten schließlich nicht nur die Verantwortung für unsere Mädchen, sondern auch für die anderen Kuscheltiere. Fanden wir auf jeden Fall.

Brummbaer-Ausflug an Terrassentür

Schließlich waren wir sicher, dass die Luft rein ist und gingen alle nach draußen. Manch einer von den Kleinen staunte mit seinen großen Augen herum. Aufgeregt waren wir alle. So ganz heimlich und ohne unsere Mädchen waren wir draußen. Im Haus, ja da machen wir so einiges. Aber draußen? Uiuiui. Wir schlichen um die Hausecke. Sollten wir wirklich weiter gehen? Unsere Katze (die echte) war uns hinterhergeschlichen und staunte nicht schlecht, was wir so alleine machten.

Ein Vogel flatterte uns vor die Nase, die Kleinen bekamen einen Riesenschreck und quietschten fürchterlich los. Ich hatte ganz schön Mühe, sie wieder zu beruhigen. Die ersten beiden überlegten, ob es nicht doch zu gefährlich für uns hier draußen sei. Sie wollten lieber wieder ins Haus. Da kennen sie sich wenigstens aus, meinten sie. wir anderen wollten aber noch nicht wieder zurück, wir waren noch neugierig. Ich nahm also die beiden Kleinen auf meinen Arm und ging weiter. Oh! Da kam eine Stufe, die war höher, als die meisten meiner Begleiter. Ich hob sie also einen nach dem anderen hoch und da waren wir dann auf dem Rasen- Gänseblümchen wachsen da und Löwenzahn. Schön. Wir überlegten kurz, unseren Mädchen einen Blumenstrauß zu pflücken, aber sie würden sich bestimmt wundern, wo der herkommt. Und sie dürfen doch nicht wissen, dass wir heimlich alleine im Garten waren. Die Kleinen begannen zu hüpfen und zu tanzen, so gut gefiel es ihnen. Ach, das war ein Spaß, auch ich begann ein wenig mitzutanzen.

Mohrle war vorausgeschlichen, sie ist ja schon so plattgeliebt, dass sie nicht weiter auffällt, wenn sie an die Hausecke kommt. Plötzlich rief sie: „Achtung!“ Wir warfen uns alle schnell auf den Boden, da hörten wir auch schon das Kläffen von dem Hund, der vor unserer Gartenpforte stand und genau merkte, dass da etwas nicht normal war. Zum Glück sind die Menschen ja nicht so sensibel und sein Herrchen wunderte sich nur, was er denn hätte. Der Hund hörte aber nicht auf laut zu bellen, die Kleinsten verkrochen sich unter mir und ich befürchtete jeden Moment von dem Mann entdeckt zu werden. Selbst wenn ich mich flach hinlege, falle ich glaube ich immer noch ziemlich auf.  Schließlich zog der Mann den Hund aber einfach weiter. Uff. Was ein Glück für uns. Unsere Herzen rasten.

Nachdem wir uns beruhigt hatten, saßen wir noch ein bißchen in der Sonne und unterhielten uns, wie schön es hier draußen ist. Wenn uns keiner entdeckt natürlich nur. Wir beschlossen, jetzt erstmal wieder nach drinnen zu gehen und beim nächsten Ausflug in den Garten eine Decke und etwas Proviant mitzunehmen. Schön war es, wenn auch für mich alten Brummbär fast schon ein wenig zu aufregend mit den ganzen jungen Hüpfern im Gefolge.

Brummbaer-Ausflug3