Ausflugstipp: Raunheimer Waldsee

Rainheim-KiesgrubeIch gebe zu: Ich habe überlegt, ob ich den Raunheimer Waldsee als Ausflugstipp kennzeichne. Gibt es doch das eine oder andere, was mir nicht so gefallen hat und ich habe direkt den Vergleich mit dem Waldschwimmbad Rüsselsheim gezogen. Damit ist eines von vornherein klar: Mein erster Ausflug zum Badesee in Rüsselsheim gefiel mir besser. Aber da es dabei auch um sehr subjektive Empfindungen geht, und es in Raunheim  einfach anders ist, wird es doch ein Ausflugstipp.

Was mir beim Betreten des Geländes sofort auffällt: Der Raunheimer Waldsee ist groß. Ja, das konnte ich dank Google schon im Vorfeld erahnen, dennoch wirkt es live nochmal ganz anders. Das nächste, das auffällt: Bei weitem nicht der ganze See ist zum Baden freigegeben. Am Eingang ist erstmal gefühlt die Hälfte der Länge für eine Wasserskianlage reserviert. Ich überlege kurz, ob ich mir das trauen würde, da am Seil zu surfen?

Das nächste, was auffällt: Man muß ein ganzes Stück laufen, um zum Badebereich zu kommen. Macht mir jetzt nichts aus, aber vollbeladen auf dem Rückweg mit müden Kleinkindern ist der Weg im Zweifelsfall grenzwertig. Für mich ist es schlicht ein schönes Stück Weg zwischen Wald- und Seerand.  Tja und dann kommt etwas, das ich nicht einkalkuliert hatte: Der See liegt in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens. So wirklich ruhig ist es da also nicht. Aber auch ich gewöhne mich schnell wieder an das Geräusch (ich bin in Langenhorn und Hummelsbüttel im direkten Umfeld vom Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel aufgewachsen).

Schild-WassertiefeAm Rande des Sees stehen ab dem erlaubten Badebereich immer wieder Schilder, die auf eine Wassertiefe von 4 bis 7 Metern hinweisen und darauf, dass hier nur Schwimmer ins Wasser dürfen. Warum  unter den Schildern immer Mülltonnen stehen, wird nicht erläutert.

Erstaunlich finde ich die Farbe des Sees: Er wirkt regelrecht türkis. Dieser Eindruck täuscht jedoch, im Wasser selbst ist es dann typisch See-braun-grün. Ich suche mir einen Platz. Die Liegefläche ist hier auf eine Seite des Badesees beschränkt. Danach endet auch das Gelände. Vorne zum See hin ist ein breiter und auch die ansteigende Liegefläche ziemlich weit hinaufreichender Sandstrand aufgeschüttet. Es gibt ein paar Bäume, wer mit Kind im Strandbereich sitzen will, sollte unbedingt einen Sonnenschirm o.ä. mitbringen. Schattenplätze gibt es eher hangaufwärts. Wer es lieber ruhig mag, kann es sich hinter dem Weg oben auf dem Hügel bequem machen. Hier gibt es diverse Plätze unter Bäumen. Auch Sitzbänke sind vorhanden.

Das nächste, was mir auffällt, ist, dass das Gelände im Gegensatz zum Waldsee in Rüsselsheim sehr kompakt angelegt ist. Badestelle unten und oben dann ein Ballspielfeld mit Volleyballnetz, ein Kinderspielplatz (mit Metallrutsche in der prallen Sonne), die Umkleiden, Duschen und Toiletten, die Wachstation, und der Imbiß bzw. Kiosk. Das alles sehe ich , bevor ich mir einen Schattenplatz auf dicht bemoostem Boden suche.

Spielplatz am Raunheimer Waldsee

Ich blicke auf das, weswegen ich hier bin: den See. Wie gesagt: er ist groß (14ha), aber nur ca. 1/4 davon ist zum Baden freigegeben. Rechts vom Strand aus wird noch Kies abgebaut. Weiter draußen auf dem See ist eine große, schwimmende Liegeinsel angelegt. Sie ist dicht bevölkert. Ziemlich dicht am Ufer sind Nichtschwimmer-Bereiche abgetrennt. Langsam flach raus geht es hier wohl nicht.

Ich bemerke, dass um mich herum vor allem Jugendliche lagern. Ich grinse über ihre Gesprächsthemen, überlege kurz, ob ich mich jetzt alt fühle. Ach nein, das war mir auch damals nicht wichtig, was die da rumkaspern. Lächelnd stehe ich auf und mache mich über den Sand auf den Weg zum See. Seitdem habe ich einen Ohrwurm. „Heisser Sand“ von Mina. Denn ja, der Sand hier ist ganz normal: Bei Sonneneinstrahlung wird er heiß. Und die Strecke von hinten nach vorne ist gar nicht mal so kurz. Da sollte man über Schuhe nachdenken. Zumal im Sand immer wieder Kronkorken liegen.

Das Wasser soll 25°C haben, stand an der Wachstation. Ich setze mutig meinen Fuß rein. Und halte die Luft an. 25°C? Niemals! Ich komme aus dem Schatten, bin nicht von der Sonne vorgeheizt. Ich bin nicht die einzige, die ein wenig zögert auf dem Weg zum Badevergnügen. Das zeigt ein Problem auf. Denn der freie Zugang zum Schwimmen ist eher schmal zwischen zwei Nichtschwimmerbereichen. Einige wählen damit den Weg über die Absperrungen des Nichtschwimmerareals. Ich versuche zwischen den taktisch ungünstig verteilt herumstehenden Menschen der eher jugendlichen Altersklasse durchzukommen. Es gelingt mir und ich stürze mich mutig ins Wasser. Endlich schwimmen. Kalt ist es dennoch. Man hat nicht viel Chancen, sich langsam an die Wassertemperatur zu gewöhnen, denn es wird in der Tat ziemlich schnell tief. Abwärts.

Raunheimer Waldsee mit Insel

Ich schwimme fast bis zur Insel, bis mir klar wird, dass es mir darauf eindeutig zu voll ist und ich den Altersdurchschnitt wohl auch locker im Alleingang um Jahre anheben würde. Wieder zurück. Am Rande des rechten Nichtschwimmerbereiches entdecke ich dann auch die Stelle, an der das Wasser warm ist. Sie ist aber nur ein paar Schwimmzüge lang und breit.

Ich gucke auf die  Kleinkinder, die im Wasser spielen. Sie haben Spaß. Eine Rutsche ins Wasser gibt es auch. Mir erscheint der Bereich jedoch einfach zu schmal. Mehr als Spielen und Plantschen geht hier nicht. Platz zum „ein bißchen rumschwimmen“ mit Schwimmflügeln oder ähnlichem bleibt kaum. Dazu wird es zu schnell tief. Im Nachhinein überlege ich, ob überhaupt Kinder in der Altersklasse von ca. 8-14 Jahren da waren. Nur sehr wenige, glaube ich. In der Nähe ist der Langener Waldsee, vielleicht sind die alle da.

Ich mache eine Pause, lege mich hin. Inzwischen bin ich ziemlich eingekreist. Um mich herum herrscht munteres Treiben. Direkt vor mir liegen jetzt zwei junge Frauen, die ein ernsthaftes Gespräch über die Merkmale einer Behinderung führen. Worum es genau geht, verstehe ich trotz der Nähe nicht. Denn die Flugzeuge fliegen doch ziemlich häufig zum Greifen nahe über uns hinweg. Ich lese, gehe nochmal schwimmen und ziehe mich dann um. Das Wasser ist mir doch zu kalt und für mich ist hier auch zu viel los. Dennoch hat auch der Raunheimer Waldsee seinen Reiz. Für Familien mit kleineren Kindern und für Jugendliche.
An den Flugzeuglärm gewöhnt man sich relativ schnell. Der Sandstrand hat eine gute Größe, die Kinder könnten hier auch Burgen bauen (was aber gar nicht so interessant ist, lieber sind sie im Wasser). Es gibt viel Platz zum Schwimmen.

Die Preise sind familienkompatibel, Erwachsene zahlen 2,50€, Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 erhalten für 1,20€ Eintritt. Geöffnet hat der Waldsee bis 20 Uhr. Ein Plus: Direkt am Gelände gibt es 600 Parkplätze. Ich habe etwas davor geparkt, denn dort gibt es Platz unter Bäumen, während der große Parkplatz in der prallen Sonne liegt.

Ich persönlich ziehe den zwar deutlich kleineren, aber dafür auch ruhigeren Rüsselsheimer Waldsee vor. Aber die Seen sind sehr unterschiedlich, so dass letztlich außer der Entfernung zum jeweiligen Badesee wohl auch die persönlichen Prioritäten entscheiden.

Auch für den Raunheimer Waldsee kann man übrigens die Wasserqualität auf den Badegewässer-Seiten vom hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie monatlich aktualisiert abfragen.

Flugzeug über dem See

Im Anschluß bin ich noch ein Stück in den Wald gegangen. Schlagartig war der menschliche Lärm vom Badesee verstummt. Nur die Flugzeuge hörte ich auch hier. Irgendetwas irritierte mich in diesem Wald. Die Stille war keine Waldesstille. Was genau so komisch war, fiel mir auf, als ich ein ganzes Stück in den Wald hineingegangen war und plötzlich ein „Tschilp-tschilp“ eines vereinzelten Vogels erklang. In diesem Wald gab es keine Geräusche außer dem Fluglärm und meinen Schritten. Ich kannte bisher nur Wälder mit deutlich lauterer Stille. Umherhuschende Hasen und anderes Kleintier, zwitschernde Vögel, Spechte, die an die Baumstämme klopfen usw. Haben die Flugzeuge die Tiere vertrieben?