Als Anfänger auf der Buchmesse

auf der BuchmesseJetzt ist sie ein paar Tage vorbei: die Frankfurter Buchmesse. Wir waren zweimal da. Einmal am an den Fachbesuchertagen am Donnerstag und dann mit siebenjähriger Tochter am Publikumstag, am Sonntag.

Es war unsere erste Buchmesse, wir hatten geplant, Veranstaltungen rausgesucht, und wollten es ansonsten einfach auf uns zukommen lassen. Die magische Anziehungskraft der Bücher wirken lassen, sozusagen. Ein konkretes Ziel hatten wir nicht. Wir sind ja keine Buchhändler, Autoren, Illustratoren, Verleger oder ähnliches.

Wie wir direkt feststellten, hatten wir nicht genug Zeit, um alles anzugucken, anzuhören und genauer zu betrachten. So wie wir es gerne gehabt hätten. Auch am Donnerstag hatten wir letztlich nur sechs Stunden Zeit. Das ist nicht viel, wenn man auch noch ein paar Veranstaltungen auf dem Zettel hat. Gut, von vorne.

Wir kamen gut über die Autobahn, fanden schnell einen Parkplatz, waren rechtzeitig da, und verpaßten prompt dem Anfang der ersten von uns geplanten Veranstaltung. Einfach, weil wir die Orientierung nicht fanden.

Buchmesse Forum Kinderbuch 3.0So kamen wir zu spät zum Kinder- und Jugendbuchforum, wo sich Daniel Acht, Ralph Möllers, Ulrich Störiko-Blume und Till Weitendorf gerade zum Kinderbuch 3.0 austauschten. Das blieb letztlich die einzige Veranstaltung, welche wir besuchten. Und die Notizen dazu sind uns auch noch abhanden gekommen. Deswegen schweigen wir uns hier lieber aus, ehe wir dem falschen Teilnehmer die richtigen Worte in den Mund legen oder so.

Mit anderen Worten: Wir starteten vor lauter Aufregung schlecht organisiert in unsere erste Buchmesse.

Die restlichen, uns verbleibenden fünf Stunden verbrachten wir überwiegend in Halle 3.0 bei den Ständen der Kinder- und Jugendmedien. Wir hatten keine konkreten Fragen an die Standmitarbeiter, die sich demzufolge auch nicht im Geringsten für uns interessierten. Wir stöberten durch die Bücher. Die Mengen an Büchern, immer mit dem Hauptaugenmerk: Was gibt es Neues, das in der Filterung der Buchhandlungen untergeht. Was ist interessant für Frau Wirbelwind? Was gibt es überhaupt zu entdecken?

Buchmesse Cyber ClassroomHalle 3.1 wollten wir auch noch ausführlicher betrachten, was gibt es Interessantes in Sachen Schule? Und klar, der Cyber Classroom in Halle 4 durfte auch nicht fehlen. Den besuchten wir relativ bald. Und waren schlicht enttäuscht. Olaf kann aufgrund seiner rot-grün-Blindheit mit 3D Brillen ohnehin nichts anfangen. Heißt nebenbei auch, dass einzelne Schüler von vornherein mit dem 3D Konzept ausgeschlossen werden. Das gilt natürlich auch, wenn jemand auf einem Auge in seiner Sehkraft deutich eingeschränkt ist. Was bietet der Cyber Classroom als „Klassenzimmer der Zukunft“ sonst? Auf jeden Fall keine Zukunft. Klassischer Frontalunterricht nur in 3D. Gut, die 3D Elemente waren interessant, das wirklich interaktive konnten wir aber nicht finden. Vielleicht waren wir zum falschen Zeitpunkt dort? Vielleicht ist das Konzept aber auch schlicht auf veralteter Basis aufgebaut.

Wir hatten ein interessantes Gespräch bei Langenscheidt zu den Mathe-/ Deutschpiraten, was durchaus auch für unsere Grundschule interessant sein könnte. Erschreckend irgendwie, dass unser Highlight ausgerechnet keine Bücher waren, sondern die Sorgenfresser der Schmidt-Spiele. Das ist aber wieder in der aktuellen Situation hier zu Hause begründet. Was auch nichts mit Büchern zu tun hat. Also lassen wir die mal außen vor.

Ich wollte auf der Messe auch bei kleinen Verlagen stöbern. Bei denen, deren Bücher in den großen Buchhandelsketten nicht in Mengen auf den besonders präsentierten Flächen liegen. Dabei erlag ich ganz oft aber dem klassischen Problem einer großen Messe: Kleine Aussteller können sich nur kleine Standard-Stände leisten und gehen zwischen den großen, mehrere Standflächen umfassenden bis ins Detail durchgeplanten Ausstellungsflächen der großen Verlage einfach unter. Huch, da war ja schon wieder einer, an welchem wir vorbei sind.

Hinzu kommt, dass ich nicht sonderlich gut daran bin, Gespräche zu beginnen. Wenn ich gar nichts konkretes will. Da bin ich ein wenig scheu und demzufolge bei großen, anonymen Ständen oft besser aufgehoben. Worüber ich mich dann wieder ärgere, weil mir manches nette und interessante Gespräch entgehen könnte.

Dennoch entdeckte ich das eine oder andere interessante Buch gerade an den kleinen Ständen. Unser Schwerpunkt lag ja auf den Büchern, die Frau Wirbelwind ansprechen könnten. Unsere kleine (Vor-)Leseratte. Bücherwurm. Loewe LeselöwenSie liebt nach wie vor Feen und Einhörner, aber auch Pferdegeschichten gewinnen immer mehr ihr Interesse. Hörbücher verschlingt sie auch in Massen. Sachbücher mag sie auch am liebsten in Form von Hörbüchern.

Viel zu schnell verging am Donnerstag unsere Zeit. Wir haben viel zu viel übersehen. Zu wenig nachgefragt. Ein paar Apps haben wir uns zeigen lassen, festgestellt, dass die Standmitarbeiter auch nur ihre Schwerpunkte kennen, wenn sie aus den vorgeplant vorzustellenden Apps „herausgerissen“ werden, verliert schon mal jemand sein Konzept und weiß nicht weiter.

Die Zeit reichte nicht mehr, uns auch noch nach interessanten Büchern für uns umzugucken. Gut, ich habe ohnehin keine Zeit für mich zum Lesen. Das muß noch eine Weile warten, bis ich mal wieder ein Buch richtig lesen kann. So, wie es das verdient, nicht nur in einzelnen Seiten. War für mich also eher positiv, gar nichts finden zu können, was mich reizen könnte.

Am Sonntag wollte Töchterchen dann unbedingt zur Messe. Warnungen, dass es voll sei, waren egal. Hauptsache Bücher! Was mich wirklich erstaunte: Sie schaffte es tatsächlich, sich in der Menschenmenge auf die Bücher zu fokussieren. So wir denn da ran kamen. Gleich zu Beginn stürzte sie sich am Eingang von Halle 3 auf den Random House Stand, an dem bis auf den Gang zu sehen im cbj Bereich die „Nele-Bücher“ standen. Sie mußte „Nele und die wilde Bande“ unbedingt kaufen. Sofort. Ein Buch hatte ich ihr versprochen, sie hatte sich schnell entschieden, für das erste beste, das ihr begegnete, was sie hinterher ein bißchen ärgerte. Fand sie doch noch viele andere Bücher, welche sie gerne mitgenommen hätte.

Dann begannen wir unseren Tag mit einer Lesung von Isabel Abedi. Uns Erwachsenen und den meisten Kindern gefiel die Lesung mit musikalischer Untermalung sehr gut. Frau Wirbelwind war aber eher mäßig begeistert. Sie kennt „Lola“ nicht, ihr fehlte also zunächst mal die Verbindung. Danach wollte sie möglichst schnell endlich Bücher gucken. Sie stöberte, staunte.

Da wir am Donnerstag schon einige Bücher ausgemacht hatten, konnten wir sie an manchen Stellen gezielt auf diese hinweisen. Sehr von Vorteil bei dem Gedränge. Äußerst unschön war, dass einige Stände bereits Sonntag Mittag geplündert, abgesperrt und zum Beispiel Coppenrath schon am Abbauen war.
Um so verständlicher, dass an vielen Ständen der Verkauf der Bücher erst um 13 oder gar 14 Uhr begann.  Auch im Sinne der Messebesucher, die erst Mittags in die entsprechende Halle kamen. So konnten die auch noch etwas sehen und angucken.

Was, wenn ich nicht der waere der ich bin?An manchen Stellen erhaschten wir einen Sitzplatz, um uns Bücher genauer angucken zu können. Am Rande belauschten wir Szenen, die uns kopfschüttelnd dastehen ließen. Verhandlungen mit den Standmitarbeitern, ob man die Bücher denn nicht kostenlos bekommen könnte, oder unter den Besuchern die erstaunte Frage: „Was, die kann man nicht einfach mitnehmen?“ Mich wunderte ein wenig, wie wenig gesichert die Bücher dennoch frei und unbeaufsichtigt herumstanden und ich frage mich immer noch, wie hoch die Diebstahlquote war. Sind die Leute dreist oder dumm, oder schlicht naiv, die sich da einfach so bedienen?

Eine schöne Überraschung erlebten wir am Stand des Glückschuh-Verlags, der fast das Opfer des oben beschriebenen optischen Untergangsphänomens wurde. Das war am überfüllten Sonntag noch viel stärker, als am Donnerstag. Da wurde man an kleinen Ständen teilweise einfach vorbeigespült. Beim Glückschuh-Verlag sprach man uns an und händigte uns gleich mehrere Rezensionsexemplare aus. Soweit wir diese bisher gelesen und gehört haben, bestätigen sie meinen Vorsatz, nach kleinen, unbekannten Ausstellern Ausschau zu halten. Denn da läßt sich die eine oder andere Perle finden. Auf unserer Wunschliste liegen tatsächlich einige Bücher, die wir bei bei den kleinen Ständen entdeckten. Noch eine Seltenheit beim Glückschuh Verlag: Dorothea Flechsig sprach direkt unsere Tochter, also ihre Zielgruppe an. Selbiges „geschah“ auch am Stand von Finken, die mit Logico das nach eigenem Slogan „perfekte Lernsystem“ zeigten. Man sprach mit dem Kind, erklärte ihr ansprechend das System. Auch am Stand von Bi-Libri wurde Frau Wirbelwind gefragt, was sie besonders interessierte. Dass sie sich verschüchtert an Mama klammerte, war ein anderes Thema.

Was fällt bei den drei Beispielen auf? Alles drei waren kleine Aussteller mit Standard-Stand. Bei den großen Verlagen, mit den schön gebauten Messeständen, da interessierte man sich nicht die Bohne für die kleinen Kunden. Also für die eigene Zielgruppe. Nirgendwo sahen wir wirklich einen Mitarbeiter in Interaktion mit einem Kind. Weder bei den Büchern, noch bei den Spielsachen, noch bei den Apps. Einzige Ausnahme: der Klett-Verlag oben in Halle 3.1 Zumindest kurz wurde Töchterchen gefragt, ob sie Ponies mag (sie hielt ein Leselernbuch dazu in der Hand). Die Erklärung zu Rätselfragen etc. richtete sich dann schon vermehrt an uns Eltern. Und als dann ersichtlich wurde, dass wir das Buch nicht jetzt direkt mitnehmen würden, standen wir plötzlich alleine da. Dabei wollten wir noch was zu den unterrichtsbegleitenden Materialien wissen. Tja.

Frau Wirbelwind hielt erstaunlich gut durch, erlag der Magie der Bücher (für Apps und eBooks interessiert sie sich eher gar nicht, wenn ein gedrucktes Buch daneben steht). Teilweise war sie frustriert, weil sie nicht so daran kam, wie sie es gerne gehabt hätte, dennoch hatten wir Möglichkeiten auch vorzulesen.

Wir haben gelernt, dass wir für die nächste Buchmesse mehr Zeit brauchen. Auch wenn der Schwerpunkt nicht mehr auf Kinder- und Jugendmedien liegen wird. Wir wollen mehr Veranstaltungen, Lesungen besuchen. Mehr sehen, wahrnehmen. Ein Konzept mitbringen. Urlaub nehmen. Und nicht erst am überfüllten Publikumstag anfangen,  mit dem iPhone Fotos zu machen, die dann im Gedränge doch nichts werden…

  1. Danke für diesen ausführlichen Schulterblick auf die Messe !! Ich finde es immer spannend, die Eindrücke von Messeneulingen mitzubekommen; jetzt auch noch ein bißchen was über die Erfahrungen Deiner Tochter zu lesen, macht wirklich Spaß. Werde morgen auf der Vertretertagung daraus zitieren – wenn ich darf, mit Quellenangabe, sonst anonym?
    Liebe Grüße Frauke (aka quilthexle)

  2. Klar darfst Du uns mit Quelle zitieren. Ist ja öffentlich hier 😉
    Liebe Grüße
    Anja

  3. Hallo Anja,
    Nachdem ich über die Buchmesse bis jetzt eher in den Blogs der Reiseblogger gelesen habe, bietet dein Beitrag eine gute Ergänzung und einen völlig anderen Blickwinkel. Erschreckend, dass sich an den Ständen der Kinderbuchverlage kaum einer für die Kinder interessiert.
    Danke für diesen – wie immer – toll und äußerst unterhaltsam plus informativ geschriebenen Beitrag.
    Kristine

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